glückselig

„Glück muss man haben!“  Sagen die einen und meinen das Zufallsglück.

„Das Glück ist mit den Tüchtigen!“  Sagen die anderen und meinen das Glück, das man sich selbst zu erarbeiten hat. Dieser Auffassung zufolge bin ich selber schuld, wenn ich nicht glücklich bin. Anstrengend.

In der Bergpredigt – publiziert im Neuen Testament bei Matthäus – wird behauptet, dass die glücklich werden, nein: schon sind, die nicht gerade glücksfördernde Strategien an den Tag legen und unter viel Unglück zu leiden haben. Solche, die sich sehnen nach einem besseren Leben in Frieden und Sicherheit. Übersetzt wurde aus dem Alt-Griechischen meist mit „selig“, was von der Wortbedeutung her genauso gut „glücklich“ heißen kann. Wir verbinden es zu einem „selig vor Glück“ oder eben einem „glückselig“. „Glückselig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Sie sollen satt werden!“ Was da nach schlechten Scherzen klingt, sind vollmundige, verrückte Zusagen. Verrückt und humorvoll genug, um sie für heute umzuschreiben. Was also bei Matthäus 5 nachgelesen werden kann, hier stehen die weiteren Versionen – und werden ständig fortgeschrieben:

Glücksselig die Unscheinbaren, denn sie geben anderen die Möglichkeit, zu glänzen.
Glücksselig die Wasserscheuen, denn sie werden nie ins Schwimmen geraten.
Glücksselig die Übermütigen, denn sie haben Mut über.
Glücksselig die Flüchtlinge, denn sie bringen die Sesshaften auf Trab.
Glücksselig die Erschöpften, denn sie werden neu erschaffen.
Glückselig die Langsamen, denn sie sind länger unterwegs.
Glückselig die Flüchtenden, sie bringen die Seßhaften auf Trab.

In Salzburg, beim Clownerie-Lehrgang, Juni 2017:

Glückselig die Rotnasen, sie werden kaum in Not rasen.
Glückselig die Zurückhaltenden, sie werden uns etwas voraus haben.
Glückselig die Einfallslosen, sie lassen viel Platz für Neues.
Glückselig die Gebrochenen, denn sie können sich neu und anders zusammensetzen.
Glückselig die Barfüßigen, denn sie spüren noch die Spitzen des Lebens.

In Dortmund 2015, beim Frauenkirchentag der Westfälischen Kirche:

Glückselig, die keinen Schlaf finden, sie werden schöne Bücher lesen.
Glückselig, die mit Ecken und Kanten, denn sie werden nicht den Berg runterrollen.
Glückselig die Kleinen, denn sie passen durch das Nadelöhr.

 

Aus dem Kurs „Clownerie in Kirche und Gemeinde“ im November 2016:

Glückselig die Rothaarigen, denn die erleuchten die Farblosigkeit.
Glückselig die Vorsichtigen, denn sie sehen die neue Welt voraus.
Glückselig die nicht gehen können, denn sie können die Welt neu er-fahren.
Glückselig die Schwarzseher, sie geben der Welt neue Schattierungen.
Glückselig die Grenzgänger. Sie tarieren die Welt neu aus.
Glückselig die down sind, denn sie sorgen für Tiefgang.
Glückselig die Ahnungslosen. Sie werden die Wissenden sein.
Glückselig die musikalisch Unbegabten, denn sie werden neue Töne von sich geben.
Glückselig die scheitern. Sie werden die Scheiterhaufen überwinden.
Glückselig die morgens auf dem Schlauch stehen, zum Fließen genügt ein kleiner Schritt.
Glückselig die Vergesslichen, denn sie haben Platz für neue Ideen.
Glückselig die im Nebel stehen, denn sie werden das Naheliegende sehen.

Aus dem Kurs „Clownerie in der Kirche und auf der Bühne des Lebens“ im April 2016:

Glückselig die Kleinen, denn sie kommen groß raus.
Glückselig die den Rosmarin im Frühling blühen sehen, denn sie werden wahre Wunder erleben.
Glückselig die Ver-rückten, denn sie sind ein Stück weiter.
Glückselig die Naiven, denn ihre Augen entdecken die Welt neu.
Glückselig die im Schatten sind, denn sie bekommen keinen Sonnenbrand.
Glückselig alle jene, für die Glücksmomente einmalig sind, sie werden ständig neue erleben.
Glückselig die Überforderten, denn sie werden ihre Grenzen finden.
Glückselig die Glatzköpfigen, denn sie verfangen sich nicht so leicht in haarigen Angelegenheiten.

Ein Kursteilnehmer – Josef – hat gleich mit der Katholischen Jungschar Steiermark weitergeschrieben:

Glückselig, die nicht auf immer und alles eine Antwort haben, denn sie können oft noch staunen!
Glückselig, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, denn sie bleiben im Herzen jung!
Glückselig die ewig Gestrigen, denn sie haben immer Zukunft!

An einem Vertiefungswochenende im Februar 2017 des Fernstudiums „Theologie feministisch/geschlechterbewusst“ in der Nordkirche haben Teilnehmerinnen folgende Glückseligpreisungen formuliert:

Glückselig sind die Veganer*innen, denn sie werden tierisch gut drauf sein.
Glückselig sind die Autofahrer*innen, denn sie werden den Stau er-fahren.
Glückselig sind die Dachdecker*innen, denn sie werden vom Dachschaden leben.
Glückselig sind die Hutmacher*innen, denn sie werden das Kopfende behüten.
Glückselig die, die nie geklebt haben, denn sie haben genügend Lösungsmittel.

…schreiben Sie weiter und schicken uns Ihre Ideen!

Da kommt schon eine neue:
Gesegnet die Frierenden, denn sie brauchen nicht so viel Deo.

5 Gedanken zu “glückselig

  1. Heute sind im Rahmen der geistlichen Einstimmung in unser Teamtreffen der Katholischen Jungschar Steiermark drei weitere Ideen dazugekommen:

    Glückselig, die nicht auf immer und alles eine Antwort haben, denn sie können auch oft noch staunen!

    Glückselig, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, denn sie bleiben im Herzen jung!

    Glückselig die ewig Gestrigen, denn sie haben immer Zukunft!

    Lieben Gruß aus Graz,

    Josef aka Hubert

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