„Solange Gott einen Bart hat …

IMG_3095 (Individuell)… bin ich Feminist.“
Seit dem Vormittag des 27.7. 2018 steht dieser Spruch in Kreuzstich mit pinkfarbenem Tüll auf die Verkleidung des Innsbrucker Doms gestickt. Zufällig kam ich wenige Stunden später daran vorbei und war ebenso sprachlos wie freudig entzückt. Die Katholische Kirche distanziert sich von einem traditionellen Gottesbild! Ein Mann – wie ich später nachlesen konnte handelt es sich um den Generalvikar Florian Huber – bezeichnet sich selbst als Feminist. Bischof Hermann Glettler kann auch dazu gerechnet werden, er gab seine Zustimmung. Kreuzstiche, die immer schon von Frauenhänden gestickt werden, prangen auf riesigen Staubschutzplanen und weithin sichtbar an dieser ansonsten verhüllten Fassade. Ein „Solange … “ Statement zu Feminismus, das viele aufgegriffen haben, um deutlich zu machen, wie wenig veraltet Forderungen von Frauen und Männer zur Gleichbehandlung der Geschlechter sind. An dieser Stelle, so prominent, so farbig, so kraftvoll! Was für ein Bekenntnis! Fast zum Katholischwerden!

Die britische Künstlerin Tracey Emin hat diesen „Solange …“ – Impuls gesetzt, die IMG_3098 (Individuell)österreichische Künstlerin Katharina Cibulka hat ihn aufgegriffen und bereits fünf Domsfassaden mit ähnlichen Schriftzügen beschriftet, vier davon in Tirol.

Ich wäre neugierig zu wissen, was weiter daraus wird. Bleibt es bei dem Fassadenbekenntnis oder was ändert sich theologisch in der Kirche, was in den Strukturen der Gemeinde? Dass Gott einen Bart hat, also als männlich vorgestellt wird, würden ja inzwischen sowieso viele ablehnen. Gott ist irgendwie weder – noch, auch wenn in den Liturgien rauf und runter von „ihm“ und vom „Herrn“ die Rede ist. Also „Bart ab“ auch in der liturgischen Sprache wäre schon einmal ein großer Schritt in Richtung Überwindung der Männlichkeit Gottes und der Dominanz des männlichen Geschlechts in der (nicht nur katholischen) Kirche. Wenn sich ein Generalvikar als Feminist bezeichnet, dann erwarte ich selbstverständlich von ihm, dass er sich für die Frauenordination einsetzt. Denn diese Art der Diskriminierung ist wohl die frauenverachtendste überhaupt und nicht einmal mit katholischen Lehrmeinungen und schon gar nicht mit biblischen Aussagen zu rechtfertigen. Gründe gibt es also reichlich, Feminist zu sein.

IMG_3096 (Individuell)Übrigens: Vivian Simbürger hat gestickt und Birgit Schmoltner hat sich um die Presse gekümmert. Gefördert wurde das Projekt von Kunst im öffentlichen Raum des Landes Tirol. Katharina Cibulka hat es geschafft, ein künstlerisches, politsches und theologisches Statement dermaßen gut zu platzieren – zumindest bis Anfang September soll es noch an dieser Stelle zu sehen sein. Hihi!

 

 


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