„Sie brauchen Humor!“

IMG_2263 (Mobil)Das sagte Katja Riemann neulich in einem Interview in der taz (vom 16./17. Juni 2018). Die bekannte Schauspielerin beschreibt darin, wie sie sich den Mund fusselig redet in ihrem Engagement für die Offene Gesellschaft. Am letzten Samstag hatte die Initiative dazu aufgerufen, Tische und Stühle rauszustellen, schön einzudecken und dann einzuladen: Nachbarinnen, Freunde, Fremde, essen, reden, debattieren, Demokratie feiern. Als Zeichen für gelebte Offenheit, Gastfreundschaft, Vielfalt, Großzügigkeit. Und, wie sie auch findet: „Wir müssen irgendwie miteinander kommunizieren“.

Wie Demokratie genau verteidigt werden kann, wie Abschottung und Fremdfeindlichkeit verhindert werden können, dafür gibt es kein Patentrezept. Aber das gemeinsame Essen an Tafeln auf den Straßen macht konkret, wie ein offenes Miteinander aussehen kann, und es hat an sehr vielen Orten sehr gut geklappt.

Und der Humor! Komödien transportieren Inhalte, die für eine offene Gesellschaft stehen. Und Lachen verbindet, meine ich, solange es kein Auslachen oder Verspotten ist. Vor allem das Lachen über sich selbst schafft einen wichtigen Abstand zu sich selbst, zu den eigenen Überzeugungen und Meinungen …..  einen Abstand, einen Zwischenraum, eine Öffnung. Ich erlebe es so, als ob es luftig würde, luftig und leicht im Unterschied zu fest und starr.

Solche luftigen Abstände sind meiner Meinung nach die Voraussetzung für  Gespräche, für den Dialog, für die offene Gesellschaft. Wenn ich nämlich schon alles weiß, wenn ich schon meine felsenfesten Überzeugungen habe, kann ich das Reden auch sein lassen. Also wäre es für mich ein Indiz für Gespräche im Sinne der Offenen Gesellschaft, wenn an diesen Tischen viel gelacht worden wäre. Nicht über Anderen, sondern über sich selbst und miteinander auf Augenhöhe. Humorvoll eben! Die Fotos auf der homepage zeigen viele lachende Gesichter.

Übrigens sagte eine andere interessante Frau, die Leiterin des Stuttgarter Literaturhauses Dr. Stefanie Stegmann in Kontext (13.1.2018) auch etwas sehr Treffendes auf die Frage nach der Wichtigkeit von Humor: „Unverzichtbar. Ohne geht gar nichts. (…) auch auf einer beruflichen und politischen Ebene ist Humor eine Möglichkeit der Selbstdistanzierung. Sie lässt uns wichtige Inhalte und Schritte immer wieder aus der Distanz betrachten. Wenn wir das nicht können, dann entwickelt sich nichts, weil wir zu verstrickt sind.“
In ihrem Beitrag geht es u.a. um feministische Debatten, aber vor allem um Debatten und ums das Debattieren selbst.

 


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