Mir hat’s die Stimme verschlagen!

Espresso (Mobil)Buchstäblich, ich bin nämlich heiser. Und zwar schon seit mehr als einer Woche. Wer heiser ist, soll ja nicht sprechen, nicht einmal flüstern. Und so versuche ich mich mit Händen und Füßen, Gesten, Blicken, Mimik etc. verständlich zu machen. Nun könnte man meinen, dass mir das gut gelingt, weil ich ja Clowntheater spiele. Aber, haha, weit gefehlt. Jedenfalls verstehen mich meine Nächsten leicht, wenn es um die allersimpelsten Dinge geht. Dass es heiß ist, dass ich Hunger habe, dass ich mich zurückziehe um zu schreiben – geschenkt. Nicht einfach aber ist es, zu beschreiben, was ich essen will, ohne selbst einkaufen zu gehen. Unterwegs will ich meinem Begleiter sagen, dass wir noch Milch brauchen und sie in dem nächsten kleinen Laden kaufen sollten. Ich mache umständliche Bewegungen, um zu zeigen, dass das, was wir brauchen, aus einem Espresso einen Cappuccino macht. Kleine Tasse, große Tasse, Milch schäumen, hmmm, schmeckt lecker, Milchbart ablecken. Er versteht es sogar, allerdings erst nach einigen Minuten und mehreren Wiederholungen. In dem Moment, in dem er „Milch“ sagt, fange ich an, Bewegungen zu machen, die irgendwie an das Melken einer Kuh erinnern sollen – obwohl ich noch nie eine Kuh gemolken habe. Da lachen wir beide und er meint, das hätte er schneller verstanden. Das Ganze spielt sich mitten auf einem schmalen Weg ab und ständig müssen wir noch anderen Menschen ausweichen, die uns vergnügt bis verärgert anschauen. Ob die verstehen, was da gerade gespielt wird?

Überhaupt das Verstehen: Jetzt ist es wichtig, dass mich meine Gesprächpartner*innen genau anschauen, sich wirklich die Zeit dafür nehmen, und dass sie jeweils gleich sagen, was sie denn nun verstanden haben. Sagen Sie nur „Ja“, bin ich unsicher, ob ich mich verständlich gemacht habe. Manchmal helfe ich mir mit Mundbewegungen, aber wer kann schon vom Mund ablesen!

Völlig unmöglich erscheint mir, etwas zu erzählen, was in der Vergangenheit war. Etwas, nicht unmittelbar Anschauliches vor Augen zu führen, dazu müsste ich wohl ein neues Stück machen. Und das würde dauern.

Irgendwann, hoffentlich bald, werde ich nicht mehr heiser sein. Dann nutze ich wieder viele Worte. Aber so eine zwangsläufige Wortfastenkur hat auch schöne Seiten, vor allem witzige. Außerdem schweige ich natürlich viel – auch körpersprachlich gemeint – und genieße es, nicht so recht ansprechbar zu sein. Am Ende haben wir dann doch Espresso getrunken.

Wortfasten – ein gute Übung, ich sag’s euch!

 


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