Worauf warten Sie noch?

IMG_2578 (Individuell)Wir sind ja jetzt in so einer Art Wartestand vor Weihnachten. Allerdings vermutlich bei den meisten ein recht umtriebiger Wartestand. Viele sind im Dezemberfieber, noch schnell was anschaffen, es ist Geld übrig. In diesem Jahr noch einige Termine für 2018 unter Dach und Fach bringen. Berufliche und private. Eine Geburtstagsfeier, ein Familientreffen steht an. Absprachen für Veranstaltung und Aktionen jetzt noch erledigen, denn das neue Jahr kommt so schnell. Beim Arzt kriegt man schon seit Wochen nur noch zu hören: „Ja, dann schauen wir gleich mal im neuen Jahr!“

Ein Wartestand ohne Warten eigentlich. Im Gegenteil, wenn man die Zeit ein bisschen anhalten könnte. Wenigstens jeden Tag im Adventskalender lesen, ein paar Minuten, einem Gedanken nachgehen. Der Pfarrer sagt auch, er hetze von Besinnung zu Besinnung. Und dann sind es auch nur 3 Adventssonntage in diesem Jahr. Das fehlt ja einer. Ich habe in einem Tagungshaus einen Adventskranz mit nur 3 dicken, roten Kerzen gesehen. Reicht ja. Eine Woche weniger Zeit zum Backen, Geschenke einzukaufen, Karten zu schreiben.

„Warten aufs Christkind“, hieß (heißt?) die Sendung für die Kinder am Nachmittag vor Heiligabend. Weil sie es kaum erwarten können, dass endlich das Christkind gekommen ist und sie beschert werden. Als ich klein war, erinnere ich nur weiße Weihnachten (was bestimmt eine verklärte Erinnerung ist) und dass mein Vater in seinen Altherrenpantoffeln mit mir eine ganz schön lange Weile durch den Schnee gestapft ist, bis ich endlich zu dem Baum mit den Geschenken durfte. D.h. vorher noch ein Gedicht aufsagen, ein Lied singen, die Weihnachtsgeschichte gab es nicht nochmal, die war ja schon in der Kirche.

Und wir Erwachsene? Mal ehrlich: Warten Sie eigentlich noch auf etwas?
Geschenke sind z.T. erwartbar, da gewünscht oder gar gemeinsam eingekauft.
Oder man hat das Schenken abgeschafft, Stichwort Konsumterror und weil alle sowieso alles haben und man nicht weiß, was schenken.

Und wenn Warten in der Adventszeit, dann nimmt das mitunter merkwürdige Formen an:
Sich in Warteschlangen an den Kassen wiederfinden.
Noch ungeduldig warten, ob der Handwerker nicht doch noch in diesem Jahr kommen kann.
Sich noch in diesem Jahr und dann vergünstigt zu einem Kurs anmelden und dann leider nur auf die Warteliste kommen.
Bei der Krankenkasse immer nur in der Warteschleife landen und diese schreckliche Warteschleifenmusik hören müssen.

Warten ist ja auch nicht so prickelnd.
Auch wenn es einem mitunter als Lebenskunst eingeredet wird. Man solle jede Minute am Bahnhof, im Wartezimmer, in der Warteschleife als geschenkte Zeit annehmen, als unverhoffte Pause, als Einladung zum Nichtstun. Na gut, manchmal funktioniert es.

Das adventliche Warten ist anders. Denn eigentlich ist ja schon klar, was kommt: Weihnachten! Jedes Jahr vielleicht ein bisschen anders, aber viele lieben das Fest so, wie es schon immer war. Bei den Eltern, bei den Großeltern. Nur das Essen vielleicht in den letzten Jahren leicht variiert. Überraschung wäre etwas anderes. Gut, die Geschenke! Dass da doch ein Päckchen da ist, obwohl man sich ja nichts mehr schenken wollte … oder eine Karte von einem längst vergessenen Menschen!

Weihnachten kommt einfach. Es findet statt. Ob ich darauf zuwarte, es kaum abwarten kann, keinerlei Erwartungen damit verbinde. Bald ist Weihnachten. Ich muss überhaupt nichts dazu beitragen. Das empfinde ich als die überhaupt angenehmste Haltung des Wartens. Ich könnte ab sofort alles stehen und liegen lassen. Es würde nichts daran ändern, Weihnachten kommt. Das entlockt mir ein leises Kichern.

Das ist meine Art der Frohlockung in diesem Jahr.

 


3 Gedanken zu “Worauf warten Sie noch?

  1. Hat dies auf ilseluise rebloggt und kommentierte:
    JAAA!!!!
    „… Weihnachten kommt einfach. Es findet statt. Ob ich darauf zuwarte, es kaum abwarten kann, keinerlei Erwartungen damit verbinde. Bald ist Weihnachten. Ich muss überhaupt nichts dazu beitragen. Das empfinde ich als die überhaupt angenehmste Haltung des Wartens. Ich könnte ab sofort alles stehen und liegen lassen. Es würde nichts daran ändern, Weihnachten kommt. Das entlockt mir ein leises Kichern.Weihnachten kommt einfach. Es findet statt. Ob ich darauf zuwarte, es kaum abwarten kann, keinerlei Erwartungen damit verbinde. Bald ist Weihnachten. Ich muss überhaupt nichts dazu beitragen. Das empfinde ich als die überhaupt angenehmste Haltung des Wartens. Ich könnte ab sofort alles stehen und liegen lassen. Es würde nichts daran ändern, Weihnachten kommt. Das entlockt mir ein leises Kichern.“

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