summertime, and the leavin‘ is easy

20170526_175644 (Individuell)
Schaufenster einer Berliner Apotheke, entdeckt beim Kirchentag und direkt nach einer Veranstaltung zum Älterwerden.

Summertime und überall wird gesportelt. Menschen schwingen sich in hautengen Klamotten aufs Rad und sausen an einem vorbei. Gejoggt werden kann jetzt bis spät in den Abend. Die Freibäder machen früh auf,  das Boot wird aufs Wasser gelassen oder man steigt auf breite Surfbretter und paddelt stehend über den See und es ist fast so, als wäre man Jesus. Gehört zum easy leaving im Sommer die Freude am Sport, die Bewegung unter freiem Himmel, mit der Sonne auf der Haut und den Schweißperlen auf der Stirn? Ich weiß schon, vielen anderen ist es dafür viel zu heiß. Sie suchen schattige Plätzchen mit kühlen Getränken auf und genießen auch bewegungsarm die Sonne, die Luft, die Ausblicke.

Ich kam gerade von einer Kirchentagsveranstaltung in Berlin:  „Altern zwischen Selbstbestimmung und Angewiesensein“. Das Foto hätte als Kommentar und Bestätigung nicht passender sein können. Und weil es so dick aufträgt und voll bestätigt, was in fortgeschrittenem Alter von den Menschen erwartet wird, musste ich auch schon wieder darüber lachen. So wie die Leute vorher in der Veranstaltung über meine auch bereits ältere und muntere Frau Seibold – meine clowneske Rolle –  mit ihrem frechen Mundwerk und ihrer direkten Art gelacht haben. Meine Frau Seibold kam mit Theraband und im Joggingschritt, sie ist im Anti-Aging-Stress. Als Subjekt ihres eigenen Alterns ist sie verantwortlich für ihre Fitness, ihre Beweglichkeit und ihre Schmerzfreiheit. Denn anerkannt als alternder Mensch wirst du dann, wenn du alt bist ohne alt auszusehen. Diese flotten Alten hat die Gesellschaft längst entdeckt als Ehrenamtliche und als Kauffreudige. Frau Seibold ist verblüfft und auch etwas gerührt. Auf einmal interessiert sich die Gesellschaft für sie, wo sich doch kein Mann mehr für sie interessiert.

Summertime – ich halte diese Zeit immer noch für eine Zeit der Unterbrechung, des Anders-Lebens, des temporären Aussteigens aus dem Leistungsstreben. Und zwar nicht, um danach wieder umso besser zu funktionieren. Wie schrecklich ist dieser Ausdruck, der für Maschinen gelten mag: Die Batterien wieder aufladen.

Also: Lauft, paddelt, schwimmt, klettert, rennt, radelt – aber bitte aus purem Vergnügen.
Und ansonsten könnten wir es ja so halten wie Jesus. Der hat sich immer wieder zurückgezogen, verschwand einfach ab und zu. Und machte die Vögel unter dem Himmel und die Lilien auf dem Feld zu Vorbildern: Sie sähen nicht und ernten nicht und sind doch so schön! Und kein bisschen alt!

 


2 Gedanken zu “summertime, and the leavin‘ is easy

  1. Mein „Sport“ heute waren 2 Gottesdienste – also viel rumstehen – und dann noch durch ein ganzes Krankenhaus spazieren, um zum morgigen Gottesdienst einzuladen 😉 und das mit fast 60 und übler Hüftdysplasie und mittelgradiger Arthrose in den Hüften … fühl mich grade sehr alt und spüre es auch deutlich… schmerzhaft. Nach der Clownerie in einem Seniorinnenkreis am Mittwoch nachmittag war es deutlich besser – trotz „Seiltanzerei“ und anderen sportlichen Übungen 😉 Leben mit handicaps – wunderbar! :)) danke, Gisela

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