Neulich im Zug

Der Zugchef begrüßt uns freundlich und nennt den nächsten Bahnhof: Traunstein. Das Großraumabteil ist voll, es ist heiß. Da fällt mir auf, dass nach der Durchsage der Hörer – oder wie auch immer das heutzutage technisch funktioniert – nicht aufgelegt wurde. Es rauscht und knistert weiter, man hört Wortfetzen. Der Ort, von dem aus die Durchsage gemacht wurde, muss direkt neben der Zugtoilette sein. Denn auf einmal hört man die Spülung, eine Tür geht auf und wieder zu. Jemand – der Zugschef – pfeift vor sich hin. Und alles wird über alle Lautsprecher im Zug übertragen. Ich grinse und suche die Gesichter der anderen, will mich mit ihnen gemeinsame amüsieren. Aber niemand scheint es zu bemerken. Sie schauen in ihr Telefon, lesen, dösen … Endlich kommt ein Zugbegleiter, eine Frau hat es wohl auch bemerkt und macht ihn aufmerksam. Und dann hört man den Zugchef wieder, über alle Lautsprecher.

– Was, die Lautsprecher sind die ganze Zeit an? Nicht richtig aufglegt?
– Na, i hob nix gmacht.
– Wie ausschalten? Na, bei mir is ausgschalten.
– Ja, dann hörns halt alle mit.
– HALLO!
Und HALLO rufen fast alle um mich herum, endlich auch amüsiert.
Offensichtlich macht es ihm Spaß, er pfeift jetzt lauter und zwischendurch singt er sogar. Auf allen Gesichtern ein Grinsen, manche schauen sich an. Plötzlich wird der Ton abgeschaltet und ich bedaure das wirklich sehr.

Wien_Westbahnhof_WMC (Individuell)
Wien_Westbahnhof_WMC.jpg

Ein Gedanke zu “Neulich im Zug

  1. Montag, mit dem Zug von Wesel nach Köln…
    In der letzten Woche habe ich überraschend eine Einladung vom WDR 5 bekommen, in der Sendung „Neugier genügt“ über Humor in der Hospizarbeit zu sprechen. Selber neugierig habe ich die Einladung angenommen.Vorsichtshalber schaute ich am Morgen im Internet nach, ob Zugverspätungen angezeigt werden und entschied mich für den später auch tartsächlich pünktlich abfahrenden Regionalzug, der 9:29 Uhr in Köln Hbf eintreffen sollte. Ganz entspannt beschäftigte ich mich im Zug mit meinen Notizen zu Humor und clowneker Haltung, als der Zug plötzlich in Leverkusen zum Stillstand kam. Nichts ging mehr. Laut Ansage wegen Vandalismusschäden und Kabelbrand.(Wie sich später herausstellte, gab es gezielte Brandanschläge auf DB, im Zusamenhang mit dem geplanten G20 Gipfel), Zugegeben, etwas aufgeregt rief ich im Studio an und schilderte meine Lage. Man bat mich zu warten, bis entschieden ist, ob ich vom Zug in ein Taxi umsteigen soll. Garade als die Entscheidung für das Taxi gefallen war, setzte sich der Zug wieder in Bewegung, was ich auch fröhlich verkündete. Doch nach kurzer Fahrt gab es einen Stopp auf freiem Feld und keine Ansage mehr. Ich meldete mich erneut im Studio und erfuhr, dass die Sendung kurzer Hand umgestellt wird und das Interview noch stattfinden könne, wenn ich bis 10:30 Uhr im Studio sei. Zu Fuß bräuchte ich vom Hbf aus nur 5 Minuten und der Pförtner würde mir den Weg zum Studio genau erklären. Alles kein Problem!
    Ich fing nicht nur wegen der steigenden Temperaturen im Zug an zu schwitzen… Dann besann ich mich, dass ich auf dem Weg war, um über Humor zu sprechen und dachte, dass es eine gute Möglichkeit ist meine Fähigkeit und Gabe, der Unzulänglichkeit der Bahn und den Schwierigkeiten und Missgeschicken, denen wir Zugreisende ausgesetzt sind mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.
    Um 10:20 springe ich also aus dem Zug, nehme sportlich die Stufen hoch zur Domplatte und jogge bei inzwischen sehr sommerlichen Temperaturen zu den WDR-Arkaden, kurz vor dem Ziel noch eine stufenreiche Fußgängerbrücke überquerend. Der Pförtner schickt mich als besondere Zugabe noch in die falsche Etage, aber Punkt 10:30 Uhr schüttel ich Jürgen Wiebicke, dem Moderator der Sendung, die Hand. Und schon war ich auf Sendung.
    Herzliche Grüße
    Marion Zwanzig mit Paola Allegra

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