An Ostern lachen – in der Kirche

DSC_0250 (Individuell)Alles so schön grün inzwischen, und früh blühende Blumen in allen Farben. Es ist Ostern und Zeit  Ostereier zu verstecken. Wenn ein alter kirchlicher Brauch praktiziert wird, kann es sogar sein, dass es lustig wird im Gottesdienst am Ostersonntag: mit dem OSTERLACHEN! Also, nicht wie ab in die Kirche zum Lachen!

Vom 9. bis hinein ins 19. Jahrhundert gab es den Brauch, die Leute im Gottesdienst zum Lachen zu bringen. Aber nicht mit einem harmlosen Witz, der allenfalls zum Schmunzeln anregt. Derb und deftig ging es zu, mit Zoten, sexuellen Anspielungen, wildem Gegacker und Kickericki. Die Pfarrer haben sich alle Mühe gegeben, die Leute zu einem lärmenden Lachen zu bringen. Wie die Possenreisser haben sie ihr schauspielerisches Talent ausgeübt, die Robe gelüftet, sich auf Mist gewälzt und so getan, als würden sie gebären. Den Leuten hat’s gefallen, sie haben es auch nicht anders erwartet. Es war sozusagen normal. Zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert war der Brauch in ganz Europa bekannt und wurde mit dem Auferstehungsfest und der damit verbunden ausgelassenen Freude verbunden. Vorher schon gab es solche theatralischen Feste an den Vorabenden anderer kirchlicher Feste. 1698 erschien dann in erster Auflage und mit offizieller kirchlicher Druckgenehmigung in Salzburg ein „Neues Osterei“, das Ovum paschale novum mit einer Sammlung von 40 Predigten samt „Ostermärlein“. Da waren es dann nur noch komische Geschichten, die zum Osterlachen bringen sollten und gut 100 Jahre später hatten sich die Kritiker, inklusive dem damaligen Papst Benedikt XIV. durchgesetzt und das Osterlachen abgeschafft.

Schuld daran waren nicht die „drögen“ Protestanten. Zur Zeit der Reformation hatte man auch von ihnen erwartet, dass sie den Brauch aufnehmen. Als der reformierte Prediger Ökolampad aus dem schwäbischen Weinsberg nach Basel kam, beschwerten sich die Menschen, weil er diesem Brauch des „risus paschalis“ gerade nicht folgte. Ökolampad, ein durchaus mitreißender Prediger, ging das viel zu weit. Das seinen nicht als Obszönitäten, „die eines verrufenen Komödianten würdig seien“, beschwerte er sich bei seinem ebenfalls reformierten Kollegen am Basler Münster Capito. Doch der verteidigt das Osterlachen ganz pragmatisch. Die Prediger würden sonst in leeren Kirchen sprechen. Und außerdem sei es am Ostertag ja nicht angebracht, dass der Prediger zu ernst sei.

Trotzdem: Lachen und Kirche, das kriegt man irgendwie nicht zusammen. Zu sehr hatten die Kirchen und die Theologie das Lachen verteufelt. Als autonome Körperreaktion entging es der asketischen Kontrolle. Als rein körperlicher Ausdruck zog es wie die Sexualität den Verdacht der Sünde auf sich. Wenn schon Lachen, dann nur milde und selig, nicht aber ausgelassen.

Dabei: Was ist das für eine Freude, wenn sie so reglementiert wird? Ich will an Ostern herzhaft lachen. Nicht nur weil Frühling ist und überall das Leben spürbar.

Ich will lachen, weil das Leben sowieso stärker ist als der Tod.

Ich will lachen, weil das die Furcht vertreibt.

Ich will lachen, um mich mit Haut und Haaren zu spüren.

Ich will lachen, weil es wie sexuelle Lust unbändig und ansteckend ist.

Wenn schon leibhaftige Auferstehung, dann will ich nicht mit weniger zufrieden sein.

 

Zu den Quellen über das Osterlachen:
Maria Caterina Jacobelli, Ostergelächter. Sexualität und Lust im Raum des Heiligen. Regensburg 1982. (Das Buch ist leider vergriffen, kann aber bestimmt noch ausgeliehen werden,)

 

 

 

 

 

 

Sie Pfarrerin oder Pfarrer und brauchen noch einen Witz für die Osterpredigt? Gehen Sie an Ostern in einen Gottesdienst und erwarten das Osterlachen?


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