Rette sich, wer kann

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Mein Figur der „Margarete Kiebig-Stelz“ IMAGO/EPD

Margarete Kiebig-Stelz ist mit der letzten Sparwelle über Bord gegangen und treibt jetzt alleine in ihrem Schwimmring und nur mit einem Holzlöffel als Paddel zwischen sinnlosen Rettungspaketen, einem schmelzenden Eisberg und einem überfüllten Flüchtlingsboot auf den Wellen.
Fast hätte ich mich nicht getraut, mein Kirchenstück „Rette sich, wer kann“ tatsächlich im Gottesdienst aufzuführen. Zu schlimm ist das, was auf dem Mittelmehr mit den Flüchtlingsbooten geschieht. Aber es ist mein Verständnis von Clownerie in der Kirche, politische und existentielle Themen so aufzugreifen, dass sie erlebbar werden und Perspektiven eröffnen. Denn das erwarte ich von der Clownerie ebenso wie vom Humor. So entsteht eine kreative Mischung aus Lachen und Berührtsein. Wer humorvoll auf die Misere blickt, bleibt nicht einfach Opfer. Frau Kiebig-Stelz erobert sich mit jedem Paddelschlag die Definitionsmacht zurück. Und auf einmal steht ihr der Chor der rebellischen Meerjungfrauen bei. Auch die Vision von der Rettung am Schilfmeer beflügelt sie, denn auf einmal teilt sich das Meer und sie kann trockenen Fußes bei der Gemeinde ankommen. Jetzt kann das Gespräch beginnen – über Fluchtursachen, über Gastfreundschaft der Gemeinden, über gedeckte Tische oder nasse Füße.

Mehr zu dem Stück auf clownin.de

Wieso und warum eigentlich Clownerie in der Kirche? Dazu hat das Schweizer Radio SRF am 26.2.2017 einen 30-minütigen Beitrag gesendet. Eine Journalistin hat uns in meinen Ausbildungskurs „Clownerie in Kirche und Gemeinde“ einen Tag lang begleitet. Auch wenn ich die Fotos auf der Homepage des Senders ganz und gar nicht passend finde, unser Anliegen ist treffend wiedergegeben. Humor ist ein trotziger Sinn, ein Widerspruchsgeist und ein kreativer Impuls in verfahrenen Situationen. Clownerie weckt diesen Sinn mit ihrer Neugierde, dem Staunen, der Unerschrockenheit, mit ihrer Phantasie und ihrem Möglichkeitssinn. Es könnte doch auch ganz anders sein, ja genau, warum eigentlich nicht! Also raus aus der Lethargie und dem „Man-kann-sowieso-nichts-machen“ und rein in den Rettungsring!

Hier geht es zur Sendung und zu den Kommentaren.

 


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