Humor und Humanität

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(c) Pat Meise

Obwohl es so ähnlich klingt, Humor hat von seiner Wortbedeutung her nichts mit Humanität zu tun. Der Begriff kommt vielmehr aus der Medizin und bezeichnete von der Antike bis zum 16. Jahrhundert die Körpersäfte. Aus der Temperamentenlehre sind sie noch bekannt. Zu viel heißes Blut macht sanguinisch, zu viele gelbe Galle cholerisch, zu viel schwarze Galle melancholisch und zu viel Schleim phlegmatisch.

Und trotzdem kann man sagen: Humor ist der Inbegriff von Humanität! Wieso? Das liegt daran, dass mit Humor eine Haltung, eine Lebenseinstellung beschrieben wird, die besonders gut mit einer Grundkonstante des menschlichen Seins zurecht kommt, nämlich mit folgender: Irren ist menschlich!

Das denkt man ja vielleicht nicht automatisch, obwohl es doch wirklich sehr typisch ist. Typisch und nicht gerade angenehm. Irren, Fehler machen, an Grenzen kommen, gar scheitern – das ist menschliche Normalität, die meist von Idealvorstellungen überhöht und ausgeblendet wird. Demnach sind wir fit, super, top, stark, optimal, extrem gut und so. Und weil das anscheinend auf alle zutrifft, sind Fehler etc. extrem schlecht und eben nicht mehr normal.

Humor aber ist eine geniale Haltung sich selbst gegenüber, gerade wenn es schief gegangen ist. Mit Humor haut man dann nicht erst recht drauf, mit solchen Aussprüchen wie „Selber schuld!“ „War ja klar!“ „Das kann auch bloß mir passieren!“ All das würde die Misere bestätigen und noch mehr bestärken. Andererseits sagt man mit Humor auch nicht einfach: „Schwamm drüber, halb so wild, egal, das nächste Mal klappt es bestimmt, da ist noch mehr drin…“ Nein, mit Humor wird nichts beschönigt, ausgeblendet, verharmlost. Mist bleibt Mist, Scheitern bleibt Scheitern. Und doch nicht.

Humor ist weder Abwertung noch Verharmlosung. Humor ist eine neue Perspektive auf dasselbe Elend, immer auf der Suche nach anderen Möglichkeiten der Deutung, nach anderen Strategien der Bewältigung, nach weiteren Wegen und Auswegen.

Humor ist ein kreativer Einfall, der einem wieder die Würde zurück gibt, einen wieder aufrichtet, einem sogar ein Lächeln schenkt. Wie es jener Menschen fertig brachte, der eines Sonntags im blütenweisen Hemd spazieren ging und dem eine Taube darauf schiss. Da sagte er: „Wie gut, dass Kühe nicht fliegen können!“

Humor kommt so richtig gut raus, wenn es eigentlich gar nichts zu lachen gibt, wenn es menschlich, allzu menschlich zugeht. Und eben deshalb ist Humor eine humane Haltung. Eben deshalb sind Humor und Humanität dann doch verwandt, wenn auch nicht begrifflich, so doch inhaltlich.


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