Die Rippenstory

IMG_1087 (Mobil)

Auf der Fahrt von Basel nach Frankfurt im vollen ICE am Sonntagabend. Ich komme mit einer koptischen Christin ins Gespräch. Das Übliche, Verspätungen, teure Bahn, die hohen Mieten in der Stadt – und dann, den Zusammenhang erinnere ich nicht, das Geschlechterverhältnis von Frauen und Männer. Warum sich Männer eigentlich meist überlegen fühlen und Frauen so vieles mit sich machen lassen? Warum Frauen mit geringeren Gehältern zufrieden sind und meinen, ihnen stünde sebstverständlich mehr zu. Natürlich blieb es nicht so allgemein, wir fanden auch handfeste Beispiele und freuten uns angesichts der spontanen Verständigung und Solidarität.

Schließlich meinte sie als Begründung: „Weil die Frauen nach den Männern geschaffen wurden!“ Ihr schien das selbst nicht zu gefallen,  aber so stehe es nunmal in der Bibel.

„Von wegen“, sagte ich, „die Frau war zuerst da“. Der Mann wurde als Zweiter geschaffen. Sie schaute mich erstaunt an, aber ich war so überzeugt, dass sie neugierig auf mehr wartete. Ich meinte mit der ersten Frau keineswegs Lilith, obwohl auch dafür viel spricht. Nein, ich erklärte ihr, was für ein Allmachtsblödsinn diese Rippenstory sei. Als würden wir Frauen von einer Rippe abstammen! Krumm dazu, um ebenfalls krumm und unterwürfig durchs Leben zu gehen! Das hebräische Wort für „Rippe“ meint weit mehr, nämlich „Seite“ bzw. bemi Bau ein tragendes Teil. Und der Mensch, der da schon lag, war mitnichten Adam, sondern allgemein der Erdmensch, was auf Hebräisch „Adamah“ heißt.
Von diesem nun wird die eine Seite genommen und daraus entsteht Eva. Aus dem Rest, aus dem was dann noch übrig ist, aus der anderen Seite also, entsteht Adam. „So, und nun frage ich Sie, wer war also zuerst da? Eva natürlich!“

Meine Sitznachbarin war sprachlos und höchst erfreut, sie juchzte förmlich. Das müsse sie in ihrem Frauenkreis erzählen, gleich diese Woche hätten sie wieder Treffen. Ob die ihr wohl Glauben schenken? In einem interreligiösen Seminar bestätigte die jüdische Exegetin diese Auslegung. Die muslimische Exegetin meinte, dass nirgends im Koran von dieser Rippe die Rede sei und trotzdem würden sie alle kennen. Auch im säkularen Deutschland mit immer weniger Wissen um biblische Inhalte haben irgendwie alle mal von dieser Rippenstory gehört und werden weiterhin Ableitungen von einer falschen Übersetzung gemacht.

Wir kichterten weiter auf unserer Fahrt und verabschiedeten uns herzlich. Hoffentlich treffen wir uns mal wieder!


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