Die spinnen, die Christen!

gekreuzigter Esel (Mobil)Eigentlich sagt man das ja über die Römer, zumindest Asterix und Obelix tun das: „Die spinnen, die Römer!“ Aber dieses Graffiti aus dem 2. Jahrhundert zeigt, was die Leute damals von den Christen hielten, die einen gekreuzigten Gott anbeteten. Was soll das denn für ein Gott sein? Und den dann noch anbeten? Machtlos, als vermeintlicher König verspottet und gemeinsam mit Verbrechern hingerichtet? Da kann man ja gleich einen Esel anbeten. Götter sind mächtig und unsterblich und niemals hilflos den Menschen ausgeliefert!

Der Mensch gewordene Gott im christlichen Glauben irritiert die üblichen Gottesvorstellungen. Ein schwacher Gott, ein ohnmächtiger, ein Gott der kleinen Leute. Zum Gespött ist dieser Gott geworden, zu einer Witzfigur und mit ihm alle, die das gut finden und etwas damit anfangen können. Das mit dem Kreuz sei eine moria (lat. Torheit, Dummheit, Unklugheit), schreibt Paulus (1. Korintherbrief 1,18) und Menschen, die davon hörten, hielten es für einen Skandal.

Heute regen sich vermutlich nicht mehr so viele darüber auf. Den meisten wird es egal ein, was da in den Kirchen noch verbreitet wird. Aber auf die Frage, was und wie ein Gott sein soll, würden vermutlich die meisten etwas von Allmacht, Vollkommenheit, Ewigkeit sagen. Anstelle einer gewaltigen Macht von oben erscheint dagegen ein gekreuzigter Gott als ohnmächtig, unvollkommen und wenig überzeugend. Was für eine Bedeutung könnte aber genau darin liegen? Etwa ein Kraft von unten, die sich anders ausbreitet und anders wirkt als ein „mächtiger Arm“?

Karfreitag gilt als düsterer Tag, an dem manche aufs Feier verzichten, nicht ausgehen oder zum Requiem von Brahms in die Kirche.Für mich ist dieser Tag immer irgendwie beklemmend gewesen, dieser Kreuzestod zu brutal und entsetzlich, die Symbolik mit dem Kreuz das ganze Jahr über dann präsent in den Kirchen. Sie lässt mich sofort an so viele Menschen denken, die grausam ermordet werden, Opfer von Terror und Krieg sind, auf der Flucht elend sterben, gefoltert werden, zu Unrecht in Gefängnissen sitzen, sich selbst in die Luft sprengen ….. die jüngsten Anschläge in Brüssel sind so entsetzlich.

Auf keinen Fall hat das etwas mit Humor zu tun, jedes Lachen bleibt einem da im Hals stecken. Doch wenn nicht Humor, Spott kann darin entdeckt werden. Ich finde, in der Erinnerung an Karfreitag wird ein subversiver Spott angesprochen. Durch so einen menschgewordenen Gott fühle ich mich nicht einfach alleine und hilflos dem Geschehen ausgeliefert. Karfreitag lässt mich über Macht und Gewalt nochmal anders nachdenken. Wem gebe ich mit welchen Reaktionen Macht? Letztlich glaube ich nur an eine solidarische Macht, die zwischen Menschen stark ist. Ich habe so eine „spinnerte“ Gewissheit, dass Verhältnisse veränderbar sind, dass es ohne Drohgebärden und starke Worte geht. Ich will nicht nur auf die Schreckensnachrichten starren, ich sehne mich nach Nachrichtungen über alles, was an Solidarität und Unterstützung läuft. Die vielen Menschen, die mit Eigeninitiative Menschen aus dem Meer retten, Sprachkurse organisieren oder so vieles andere tun, was menschenwürdig ist – egal aus welcher Motivation heraus – sind für mich dafür die Beispiele.

Das hat für mich mit dem Spott der Ohnmächtigen gegenüber den Mächtigen zu tun – und letztlich sind die einen dann gar nicht so ohnmächtig und die anderen eben nicht mehr so mächtig.