Preisaufschlag – kleine Nachlese zum Frauentag

8. März, Mittag, Haltestelle Kunsthaus, mitten in Zürich. Ich habe ihn entdeckt. 20% Preisaufschlag der ZVV für Männer? Seit kurzem weiss ich, dass es diese Aufkleber geben muss. Irgendwo in der Stadt. Hier ist einer.IMG_0126

Endlich, könnte man sagen. Endlich hat sich einer der Sache angenommen. Endlich, wenigstens am Tag der Frau etwas sichtbar gemacht von der Ungerechtigkeit. Der Ungerechtigkeit, die nachweisslich nichts mit irgendwelchen Begabungen zu tun hat, nur mit Geschlecht. 20% weniger verdienen Frauen, ergo zahlen die Männer jetzt 20% mehr. Endlich hat eine Institution darauf reagiert, lustigerweise eine, die bei Fragen der Gerechtigkeit ungefähr ebenso weit weg zu sein scheint wie Gott: die Zürcher Verkehrsbetriebe haben es in die Hand genommen, eine Ungerechtigkeit durch eine Massnahme auszugleichen.

Natürlich haben sie das nicht.Natürlich haben sich das Menschen ausgedacht, die dafür ein bisschen ZVV gespielt haben. Und klar ernten sie Widerspruch. Klar ist die Welt nicht so einfach zu retten, wie hier geplant, klar sind Problemverschiebungen keine Lösungen und beinahe genauso klar haben bis zur Mittagszeit vor allem Männer unter http://www.zvv-preisanpassung.ch kommentiert, wie undifferenziert sie diese ganze Aktion finden. Absolut richtig.

Mir macht es dennoch Vergnügen, wenn in meiner Stadt eine solche Aktion läuft. Gerechtigkeit für Frauen braucht Öffentlichkeit (keine unendliche Differenzierung so lange, bis Diskrimierung dann gar nicht mehr wahr ist), Bewegung entsteht, wo die Frage nach den Profiteuren gestellt wird (und dann müssen halt mal die Männer mehr zahlen, wenigstens im Gedankenspiel) und grundsätzlich schreit sogar in unserem heilen, reichen Land die Ungleichheiten qua Geschlecht zum Himmel. Mindestens am Frauentag gehört das in den öffentlichen Raum.

Meine Lieblingsfrau in der Bibel ist darum die bittende Witwe, die einen Richter so lange nervt und ihm Angst macht, bis er ihr hilft, weil er in Sorge ist, dass sie ihn sonst schlägt. Das erzählt das Lukasevangelium (18, 1-8). Dass sie so schreit für ihr Recht und alle Mittel anwendet, erscheint in der Bibel als Methode, mit der man Gott auf der Seite hat. Vielleicht hat sie der Aktivistin, die diese Aktion verantwortet, ein Stück Power für ihre Stimme geliehen? Mir gefällt das! Und euch? Bleibt schön widerspenstig :)!

 


Ein Gedanke zu “Preisaufschlag – kleine Nachlese zum Frauentag

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