gadji beri bimba glandridi laula lonni cadori

Das könnte ein Zitat aus der Clownsprache „Gromolo“ sein, aber es ist der Anfang eines Gedichts von Hugo Ball, das er im Juni 1916 auf der Bühne des Cabaret Voltaire in Zürich vorgetragen hat. Gekleidet war er mit einer Röhre, einer um den Leib und einer auf dem Kopf, dazu einem steifen Umhang und klauenartigen Handschuhen. Nur das Gesicht ragte klein heraus. Und dann diese Lautmalerei. Der Auftritt ist Teil der am 5. Februar desselben Jahres und eben dort gegründeten Kunstbewegung DADA. Einige Monate lang traten sie dort in Zürich auf, Tänzerinnen, Maler, Dichterinnen, Varietè-Künstler – spontan und simultan trugen sie vor, führten sie auf, sangen und tanzten sie.War es eine Parodie auf den Kunstbetrieb, eine Persiflage, ein ironischer Kommentar zur hochgeschätzten Kunst? Bestimmt war es mehr als ein Gag oder eine unterhaltsame Spaßcollage.

zimzim urallala zimzim urallala zimzim zanzibar zimzalla zam

Kleinkinder sprechen so und „dada“ sagen denn auch Erwachsene, die mit Kindern sprechen. Dada hieß damals auch eine Lilienmilchseife.In einem Almanach zu Dada ist zu lesen, Dada sein das Gestammel über eine Welt, die kein Sinn mehr zusammenhält.*Die Welt ist diejenige mitten im Ersten Weltkrieg. Dada ist also nicht einfach Nonsense, Blabla, oder aber der Versuch, mal wieder etwas ganz Originelles in der Kunst hervorzubringen. Ich glaube, so weit ich das überhaupt einschätzen kann, war es eine Bilderstürmerei. Sie betraf alles, die Kunstformen, den ganzen Kunstbetrieb, vermeintliche Wahrheiten, Sprache. Männer und Frauen alle gleichzeitig auf der Bühne, verschiedene  Ausdrucksformen nebeneinander…. freilich waren die Frauen dann doch nicht so gleichberechtigt und die Gruppe hat sich bald aufgelöst und in alle Winde zerstreut. Aber….

…. Dada ist mir eine aufwühlende, anstachelnde Inspiration für meine Clownerie und meinen Humor. Das ist im Wesentlichen, die Welt, mich selbst und alles ernst nehmen, aber eben nicht zu ernst. Das Chaos schätzen, die Vieldeutigkeit begrüßen, beherzt um die Ecken linsen.

 

Sprung aus der Welt und
singen                                                  staunen
nichts verstehen
sich auf den Kopf stellen
stolpern                                                                                           schräg denken

                                                                                                                                          Sprung in die Welt

 

Vorschlag:
Es so zu machen wie Hugo Ball und das Gedicht laut lesen, hier die letzte Strophe zum Ausprobieren, viel Vergnügen!

tuffm im zimbrabim negramai bumbalo negramei bumbalo tuffm i zim
gadjama bimbala oo beri gadjama di gadjama affolo pinx
gaga di ogaga gaga di ogaga
gaga di bumbalo bumbalo gadjamen
gaga di bling blong
gaga blung

*Dada Almanach. Vom Aberwitz äthetischer Contradiction. Textbilder, Lautgedichte, Manifeste. Manesse, Zürich 2016.


3 Gedanken zu “gadji beri bimba glandridi laula lonni cadori

  1. Wahre Poesie fängt an, wo sich die Wörter vom Sinn befreien und Laute werden, die wunderbar tönen, gell? In einer Fernsehsendung sah ich gerade zwei Moderatoren über DaDa reden, der eine sprach eine ordentliche Überschrift, dann flogen die Buchstaben zum anderen, die wir Hugo Ball damals im bischöflichen Blechmantel gekleidet war, und schwups die wups waren alle Buchstaben durcheinander und gaben auch so schöne Laute. Habe mir vorgestellt, ich könnte eine Maschine bauen, die mir das aus manchem Text vielleicht machte. Würde mir gut gefallen. So lange übe ich erst mal das Gedicht 🙂 Danke Gisela!

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  2. gaga di bling blong
    gaga blung
    Ganz schön gaga – dachte ich. Wunderbare Sprechübung zum Aufwecken der Stimmbänder und Aktivierung der Lachmusskeln vor dem Auftritt.
    Kennt Ihr auch den Gaga-Tanz?
    Diese Tanztechnik hat nicht etwa Lady Gaga erfunden- nein! Es ist eine Methode, die von dem israelischen Choreographen Ohad Naharin nach einer schweren Rückenverletzung entwickelt wurde. Der Gaga-Tanz ist eine Bewegungssprache, die zu neuer Beweglichkeit führt und das Körpergefühl stärkt. Bekannte Bewegungsmuster werden durchbrochen, der Körper lernt inneren Impulsen zu folgen, Bewegungen werden improvisiert. Innere Bilder drücken sich durch Bewegungen aus. Ohad Naharin unterrichtet diese Methode seiner Batsheva Dance Company. Es entsteht durch diese Bewegungssprache eine Kommunikation mit dem Publikum.
    Schaut doch mal selbst:

    Damit wäre dann das Aufwärmprogramm komplett!
    Wie wunderbar gaga!

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