Wenn man aus meinen Knochen ein Kunstwerk machen würde…..

Ja, es ist November und im Totenhemd-Blog von Petra Schuseil und Annegret Zander gibt es jeden Tag einen anderen Beitrag mit der heimlichsten Frage zu Sterben und Tod. Das ist nicht einfach lustig, aber es ist humorvoll. Denn jede Autorin schreibt auch übers Lachen, schildert überraschende Momente, öffnet neue Sichtweisen – und all das, ohne zu beschönigen. Eben! Das macht Humor aus.

Mein Beitrag handelt von Knochen und Knochenhäusern.                                  Kostnice03 (Medium)

Häuser, die über und über voll sind mit Knochen, Knöchelchen und Schädeln Verstorbener nennt man Beinhäuser. Wegen der Gebeine. Auf Latein sagt man Ossarium dazu. An manchen Orten stapeln sich Skelette, Schädel und nach Größe und Körperteil sortierte Knochen bis unters Dach. In Oppenheim zum Beispiel sind knochenmäßig 20.000 Menschen versammelt. Das kommt daher, dass Gräber nach einiger Zeit ausgehoben und die Knochen dann umgebettet wurden. Seit die Toten außerhalb der Ortschaften begraben werden und es genügend Platz gibt, braucht es anscheinend keine Beinhäuser mehr. Schade, denn das, was da zu sehen ist, ist durchaus dekorativ. Es hat eine eigene Ästhetik, jenseits von Grusel oder Galgenhumor.

Ich klopfe auf meinen Knochen herum und stelle mir vor, wie langlebig sie sind. Sie taugen als Klanginstrumente. Sie wären auch geeignet, um später aus ihnen irgendwelche Gebilde, Skulpturen, Ornamente zu fertigen. Die Familie Schwarzenberg hat aus ihren Knochen das Familienwappen nachbilden lassen. Es befindet sich mit unzähligen weiteren Kunstwerken in der sogenannten Knochenkirche in Kutná Hora bei Prag. Die Fürstenfamilie hat die Kirche Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Holzschnitzer František Rint mit Knochen von über 10.000 Verstorbenen ausgestalten lassen. Darunter ist auch ein Kronleuchter, der aus allen 206 Knochen besteht, die unser menschliches Skelett ausmachen. Deckengewölbe, Girlanden, Fensternischen – beim genaueren Hinsehen bestehen sie alle aus Gebeinen.

Ich hätte gerne eine Skulptur aus mir, noch größer als ich schon bin, mit einer Leichtigkeit springend. Was mir auch gefallen würde: Alle Knochen zu einem Mini-Päckchen zusammengeschnürt, so klein wie es nur irgend geht. Oder wie wäre es, alle Knochen aneinanderzureihen zu einer langen, langen Kette. Andererseits könnte ich mir auch vorstellen, wie sie alle einfach sortiert auf einem Haufen liegen, so eine kleine Pyramide bildend. Letztlich würde ich es einem Künstler, einer Künstlerin überlassen wollen, was wie aus mir macht. Der Gedanke würde mir gefallen: Jemand gestaltet ein Knochenportrait von mir. Leider wird das wohl nie der Fall sein, oder werden heute noch Ossarien gefüllt? Ich weiß es nicht. Doch auch schon die Gedankenspielerei macht Spaß. Ich habe nicht das Bedürfnis, damit eine Art Unsterblichkeit zu erlangen. Mir gefällt die Verwandlung darin, die Transformation meines langlebigsten Naturstoffes in etwas Anderes. Lebendige Totengebeine.

Und hier geht es direkt zum Totenhemd-Blog


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s