….jedenfalls nicht das Gegenteil von Ernst.

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Frau Hager, meine ehrgeizige Dame mit kanarienvogelgelbem Jackett und immer parat, auch die schwierigsten Dinge im Leben zu erklären.

Nach einem meiner Auftritte mit Frau Hager betrat der erste Redner im Programm die Bühne und begann mit folgendem Satz: „Jetzt aber mal zum Ernst des Themas!“ Dabei hatte sich Frau Hager wirklich alle Mühe gegeben, das Amtsverständnis in den verschiedenen Konfessionen darzulegen. Sie hatte dazu ihr Theraband zu Hilfe genommen, sich mal hineingewickelt, mal wieder hinausgewunden, sich abwechselnd darin verheddert und es zum Himmel fatzen gelassen. Für manche Amtswünsche von Frauen bleibt nur der Verweis auf ganz oben. Alles in allem eine gelungene Kurzdarstellung der Problematik zwischen Amt und Person, männlichen und weiblichen Geschlechts, wie ich fand und andere fanden das auch so.

Ich hatte mich ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt. Allerdings, und das gebe ich gerne zu, ich hatte es auch nicht zu ernst genommen. Denn hätte ich das gemacht, wäre mir kein Spielraum geblieben. Als Clownin nutze ich den Spielraum zwischen dem Ernst einer Sache und ihrem Überernst. Mein Interesse ist nicht, Menschen oder Meinungen und nicht einmal die Ämter in Religionen lächerlich zu machen. Vielmehr möchte ich aufzeigen, wie vielfältig diese sind. Historisch gewachsen, immer wieder anders begründet, als machtvolle Institutionen verteidigt müssen sie immer wieder neu ihre Berechtigung finden. Deshalb spitzt die Clownin zu. Piekst und legt offen. Ich tue das nicht unfreundlich, sondern aus der Haltung einer selbst Betroffenen. Hatte ich doch auch einmal ein Pfarramt inne und bin viel im Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen kirchlichen Berufen. Ich stelle mich also nicht außerhalb der Thematik, sondern mitten hinein. Und wirklich, ich war ganz schön verheddert in meinem Theraband. Eingebunden, verstrickt, verwurschtelt, gefesselt und irgendwann gelöst, aber aua, so ein fatzendes Band tut auch weh.

Von dem Philosophen Thorsten Sindermann habe ich gelernt, Humor mit dieser Dreiheit von Zuernst-Ernst-Unernst in Verbindung zu bringen. Unernst ist der Humor gerade nicht, auch nicht das Gegenteil von Ernst, wohl aber ein Einspruch gegen zuviel Ernst. Humor, so schreibt Sindermann ist „eine Haltung, die nicht irgendetwas, sondern die sich selbst jeweils nicht zu ernst, aber niemals nicht ernst nicht. Dadurch kann das Zuernste korrigiert werden, ohne dass es zum Unernst würde.“ (Sindermann, Über praktischen Humor. Oder eine Tugend epistemischer Selbstdistanz. Würzburg 2009, S. 25-26).

Der Redner damals hatte mir doch eigentlich unterstellt, ich hätte das Thema nicht ernst genommen, also unernst. Schade, dass er damals seinen Beitrag nicht so begonnen hat: „Ich fasse mich auch an meiner Nase, Frau Hager. Nehmen wir uns also ernst genug, um diese Ämter nicht zu ernst zu nehmen. Mal sehen, was dabei Neues herauskommt.“ Oder so ähnlich!


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